Alois Andritzki

Prof. Hans Lubsczyk:

…Auf dieser Linie lag auch das Laienspiel, das den Jugendlichen besonders zu Weihnachten ein unvergessliches Erlebnis bereitete und die Gemeinde erfreute. Im letzten Advent, den er noch unter uns weilte, haben wir das Oberuferer Christgeburt -Spiel vorbereitet. Viele aus unserer Jugend waren schon auf den Schlachtfeldern, und so riet uns der Propst, dass die Kapläne einen Teil der Rollen übernehmen sollten. Das Spiel stammte von den Ungarn-Deutschen, wo es von jungen Männern - mit viel Gesang umrahmt - gespielt wurde, und die sich den ganzen Advent hindurch ernsthaft auf das Fest vorbereiteten. Wir waren etwa 40 Jungen und Mädchen, und mir schien, dass dieses Spiel besonders für Alois, der einen der Könige spielte, wie geschaffen war. In der Sakristei der Hofkirche war vor Beginn des Spieles einige Minuten Stille, und dann erklang unter der mächtigen Begleitung der Orgel das erste Lied: „Unsern Eingang segne Gott, unsern Ausgang gleichermaßen..“ Und als dann gespielt wurde, in der Kirche war es dunkel und die einzelnen Szenen wurden durch Gesang und Zug der Spieler durch die Kirche voneinander getrennt, schien es, als hätten die Spieler vergessen, dass dies ein Spiel ist und dass ihnen eine große Gemeinde zuschaut. Und ich erinnere mich besonders daran, wie der König, den Alois spielte, in einer roten Schatulle dem Kind das Gold überreichte, um so den König aller Welt zu ehren…

 

Ein Dresdener Jugendlicher:

…Wir hatten fast jeden Abend Probe für das Krippenspiel, die manchmal bis in die Nacht hinein dauerte… Am 5. Januar wurde das Spiel in der Hofkirche gespielt. Wir lebten den Tag auch in froher Gemeinschaft… Am Nachmittag das Spiel, welches wir in der Hofkirche am Altar spielten… Schön war auch an dem Spiel die Einfachheit. Es gab keine Kulissen, die Spieler waren nicht geschminkt und trugen keine Bärte. Auch die Sprache passte fein zum Spiel, diese altdeutsche Sprache…Das Krippenspiel sollte wiederholt werden und zwar erst in Schirgiswalde, aber die haben abgesagt,…. Aber dafür haben wir gestern Sonntag es in Pirna in der Pfarrkirche gespielt. Am Freitag war nochmals eine Liederprobe…  Am Sonntag waren wir dann in Pirna. Es war alles bald so wie am vorhergehenden Sonntag, nur noch dass das Mittagessen gemeinsam war. Auch haben wir Pirna besichtigt und uns mal mit Schnee beschossen. Doch eins war noch anders. Als wir nach dem Spiel wieder Tee tranken, öffnete sich die Türe und herein spazierte die Gestapo mit sämtlichen Anhang 5 Mann hoch und Meister (3) fehlte nicht. Erst haben sie die Tür zugeschlossen, damit niemand ausreißen kann. Dann wurden sämtliche Personalien von den Spielern aufgenommen. Wie sie sich benommen haben, war unter aller Schande. Unseren Stern haben sie genommen und sagten, es wäre ein Judenstern, haben ihn in die Ecke geworfen, dass er zerbrochen ist. Wir haben sie ausgelacht und gesagt, dass ein Judenstern nur 5 Zacken hat. Überhaupt die Stimmung war verheerend.
Die Leute von der Ortskrankenkasse (4) hatten eine Stinkwut auf uns.  Kapl. Lubsczyk  wollten sie gleich verhaften, aber dann ließen sie Gnade vor Recht walten und sind dann abgezogen. Man wirft uns vor, wir hätten Sport getrieben (Schneeballschlacht?) und noch sonstige Übertretung des Gesetzes. Aber der Hauptgrund ist, sie brauchen wieder mal Adressen. Was nun folgen wird, darauf sind wir alle gespannt….

 

Weihnachtsspiel 1941 Teil 1

Weihnachtsspiel 1941 Teil 2

Weihnachtsspiel 1941 Teil 3

 

Oberuferer Spiele im Kloster Rohr
Oberuferer Spiele - Wikipedia

 

 

 

(1) Profesor Hans Lubsczyk, Čłowjek, měšnik, martrar, (Dopomnjenki profesora Hansa Lubsczyka na kapłana Alojsa Andrickeho),   Katolski Posoł 03.02.2002, str. 37  
(2) Wolfgang Siegel aus Dresden, Brief an seine Eltern und Geschwister vom 13.01.1941 - Anm. SD 
(3) Chef der Gestapo Dresden – Anm. SD
(4) Tarnbezeichnung der Jugendlichen für die Gestapo – Anm. SD