Alois Andritzki

*Alle aufgefundenen Briefe Alojs Andritzkis aus der Gefängnis- und KZ-Zeit können Sie als Buch über das Katholische Pfarramt Radibor bestellen.

 

"Am Abend des Sabbats eilte Maria Magdalena und ihre Freundin zum Grab, um es zu schauen. Alleluja. "
Es ist gerade um diese Zeit. Kurz vorher haben wir mit der Schola die herrlichen Ostergesänge geprobt. Ich habe Sie dabei mit durchbetrachtet und wurde froh dabei; sodass das Alleluja wirklich aus einem österlichen Herzen emporwuchs - und all diese kommenden Tage auch durch nichts getrübt werden können - eben erhielt ich auch den Brief vom 1.4. mit all den lieben Grüßen und Wünschen und Nachrichten:
Was ist mit Gefreiten Johann aus Ostro? Ist er dem lieben wurde Alfons nachgefolgt? Ich gedenke besonders seiner; der auferstandene Herr tröste die Eltern und Kmótra. Dank dir, Vater, für Deine lieben Gedanken. Das freut mich, dass Du die mystische Gemeinschaft so tief erkennst. So wird wahrlich jeder Lebenshauch zum Quell göttlicher Gnaden an jedem Ort, zu jeder Zeit. Alleluja. Dank Ihnen, lieber Herr Propst, mit Ihrer Jugend für Grüße und Wünsche; ebenso dem lieben Confrater Werner, der wohl auf Urlaub ist. - Von " Sollen" ist hier keine Rede, nur: es ist und wäre mir weiterhin recht, wenn Sie mir das Geld so weiter schicken: monatlich vierzig RM. Das ist meine schriftliche Bitte." Christ ist auferstanden und hat uns befreit aus Leid und Banden "- so lasst uns jubeln einer dem andern.

Uns ist es nicht erlaubt Päckchen und Pakete zu empfangen. Schickt daher keiner Päckchen und Pakete. Sie werden ungeöffnet zurückgeschickt. Allen Lieben herzliche Ostergrüße Euer Alojs.

 

Brief aus dem KZ Dachau vom 08.02.1942

 

Hochwürden, lieber Herr Propst, liebe Eltern und all Ihr Lieben!
Der Herr sei mit Euch. Dank für den Gruß bei Bernhard. Der Herr schenke Ihnen, lieber Herr Propst, eine baldige Genesung zur weiteren notwendigen Arbeit. In heiliger, betender und opfernder Gemeinschaft gedenken wir oft unserer Hofkirchenpfarrei. Wenn der Herr scheinbar (in den Augen der Welt) sein Antlitz von uns gewendet hat und wir gleichsam zu Boden gedrückt sind (Introitus von Sexagesi), so lassen wir uns nicht beirren in der Liebe unseres himmlischen Vaters. Heute bezeugt uns dies von neuem der Völkerapostel. Im Brief an die Korinther sehen wir, was der Mensch alles ertragen kann, ohne dass Kraft und Mut gebrochen werden. Heute spürt auch Ihr das, genau so wie auch wir, vor allem aber unsere Brüder draussen im Feld. Je größer die Not, desto mehr Gnaden strömt uns zu, und niemals werden wir darum ermüden, zum Altare Gottes zu treten, wir uns erfreut von Jugend auf durch seine übernatürliche Kraft und Hilfe. Wie oft wir wohl von der Arbeit an der Hofkirche und Heimatprarrei sprechen, um dann im Gebet göttlichen Segen zu erflehen - jetzt gerade wo die Osterarbeit beginnt. Wenn wir aber jetzt nicht gerade als Sämann wirken können, so wollen wir wenigstens das Samenkorn sein, um zur Zeit der Ernte vielfältige Frucht zu bringen. So sind wir allzeit an jedem Ort fähig, dem Herrn und seiner Kirche zu dienen. Dank sei Gott! - Herzlichen Gruß an die Kolpingsfamilie, Instruktor und Jungens, ehrwürdige Schwestern, Inspektor Geißler, Mitterer, Petzold, Öser, Kuzelka, Schmidt, der Jugend.
Dank dem Vater - Gruß Bernhard, Michael - Segenswunsch Gerard, Romuald, Cyrill -

allen Euer Alojs.

Es ist uns nicht gestattet Päckchen und Pakete zu empfangen. Schickt daher keine Päckchen und Pakete, denn Sie werden ungeöffnet zurückgeschickt.

 

Brief aus dem KZ Dachau vom 29.11.1942 an Propst Wilhelm Beyer in Dresden

 

All Ihr Lieben, seid gegrüßt im Herrn.
Der Advent ist da. Der Sehnsuchtsruf der Lieder durchdringt einem Herz und Gemüt in einer ungewöhnlichen Empfindungsstärke und man singt die Lieder so, wie es die Alten sungen. Wie eilten wir doch als Jungens zur Rorate durch die eisige Morgenluft; wie saßen wir da in den kalten Bänken, zitternd und bebend, und gleichsam befreiend und erwärmend  sangen wir die Lieder mit. Ich höre die Kapellknaben die Lieder einproben, wie sie sich abmühen, alle Feinheiten der Gesangskunst herauszuarbeiten, um dann den Gesang wie aus fernen Höhen und - Zeiten für die in Andacht Versunkenen erklingen zu lassen. Jetzt aber erlebe ich diese Lieder in elementarer Wucht. Das ist das Große, Einmalige. Dies Erlebnis ist aufrüttelnd, es bringt ganz gewaltig das Kehret - um des Johannes. Das ist eine große Gnade. Darum ein frohes und gläubiges " Mir geschehe nach deinem Wort ", Komm, o  Herr! Das ist mein Adventsgruß an Euch alle! - Im übrigen bin ich gesund und hoffe von Euch allen dasselbe. Das Geld für den Monat Dezember braucht (Ihr) mir nicht zu schicken, sondern verwendet es für die Weihnachtsausgaben. Ich gedenke auch meines Patenkindes, des Clemens! Segensgrüße an die Namenstagskinder Elisabeth, Cecilia, Katharina, Franz, Nikolaus, Ambros, Lucia. Ich gedenke Aller! Am 17. erhielt ich von zu Hause ein schönes Päckchen mit Kuchen und Brot, Zucker und Butter. Herzlichen Dank. Wie steht es mit dem guten Stollen, Honig oder Sirup von der Tante und vor allem mit dem Brot. Jeder darf ja schicken! Um ein Wäschepaket bitte ich und zwar nur: 1 alte Strickjacke mit Ärmeln, 2 P. Unterhosen, 2 P. Strümpfe, 1 P. Haus-schuhe (feste Sohle), 1P. Füsslinge aus Stoffresten für die Schuhe, damit die Strümpfe nicht reißen. Herzlichen Dank für alles, vor allem Euch, liebe Eltern, Euer Aloys.

Es ist uns gestattet Pakete mit Lebensmitteln und Unterwäsche zu empfangen. Lebensmittel und Rauchwaren können in ein Paket verpackt werden, jedoch ist die Wäsche als gesondertes Paket zu senden. Auf die Außenseite des Paketes ist jeweils bei großer und deutlicher Anschrift der Vermerk " Wäsche " bzw. " Lebensmittel " anzugeben.

 

Brief aus dem KZ Dachau vom 18.04.1942

 

Friede sei Euch! Alleluja. Denn Erlösung hat der Herr seinem Volke gebracht. Immer wieder bringt uns die Kirche diesen Gedanken zum Bewusstsein, damit wir ihn immer tiefer erfassen. So werden wir unseres Lebens immer froher trotz aller Leiden, die die Welt uns bereitet. Ihr dürft sicher sein, dass ich mich darum alter Frische und Gesundheit erfreue leiblich als auch geistig. Trotzdem bin ich mir meiner Lage bewusst und empfinde es immer wieder neu, was es heißt, von allen getrennt in Haft zu leben, ein jeder fühlt es so und im Austausch der Gedanken kommt das immer deutlich zum Ausdruck. Das muss aber wohl so sein, sonst würde man die Wirklichkeit nicht sehen und dementsprechend den inneren Wandel nicht vollziehen. Die Wiedergeburt muss aber stattfinden, sonst ist das Leben vergeblich. Aber noch eine kleine Weile, dann wird sich unser Herz freuen ob dieser Neugeburt. Der Herr will uns ja ewige Freude geben. Alleluja! Am Weissen Sonntag gedachte ich besonders unserer 1.Kommunionskinder und Firmlinge. Im Monat Mai bekommt jeder Tag seine besondere Note, wie in der Hofkirche durch die Predigt: so werden wir einander ganz nahe sein. - Dank für den Brief aus Rosenthal. Die liebe Maienkönigin nehme uns alle unter ihren Schutz. - Martha möge besonders gut zu Ehren der Mutter Gottes im Mai das Orgelspiel gelingen und die beiden kleinen Nichten Angela und Christa werden wohl auch ihr Liedlein probieren.
Euch alle grüßt im Herrn Euer Aloys.

 

Brief aus dem KZ Dachau vom 18.10.1941

 

Hochwürden, lieber Herr Propst und all Ihr Lieben in der Heimat! Der Herr sei mit Euch! Seine Wege sind immer von seiner göttlichen Vorsehung uns Menschen so vorgeschriebenen, dass wir auf ihnen zu Ihm, dem ewigen und allerhabenen Herrn Himmels und der Erde gelangen können, ja müssen. Darum können wir nichts anderes als immer und überall, in jeder Lebenslage, Ihm Dank sagen, Ihm, dem dreieinigen Gott, wie wir es im Hochgebet der heiligen Messe tun. In den heiligen Willen Gottes aufgehend wird uns auch allzeit und überall Verzeihung und Frieden geschenkt (20. Sonntag nach Pfingsten) werden. Darin werden wir froh und stark und fähig, unserer Aufgaben und Pflichten neu zu erkennen und auch zu erfüllen. Das mir das gelingen möchte, führt mich der Herr diesen Weg; ich bin - Dank sei Gott - gesund und trage diese große Hoffnung in mir Euch zum Trost und zur Freude. Loben wir den Herrn. - Wenn Ihr mir auf diesen ersten Brief antwortet, beachtet wohl gut die Punkte! Zu 2: Ihr schickt mir von meinem Guthaben monatlich 40 Reichsmark. Dank für den Brief vom 1.10., so auch für den Erntegruß und von Hildegard. Was machen die Kapellknaben? Was die lieben Eltern, Johann und Max - Onkel und Tante?

Eurer allzeit gedenkend. Aloys.

 

Brief aus dem KZ Dachau vom 10.01.1942

 

Hochwürden, lieber Herr Propst, liebe Eltern und alle Ihr Lieben! An Feste der heiligen Familie (11.1.) sende ich Euch den Antwortbrief vom 2. Januar. Besonders Euch, Ihr Lieben der Dresdner Pfarrfamilie will ich gedenken an diesem Fest und das heilige Messopfer und die heiligen Kommunion aufopfern und den Herrn bitten, dass wir doch allezeit das Beispiel der heiligen Familie uns zur Lehre nehmen möchten und dann einst die ewige Gemeinschaft mit ihr erlangen. Die Glieder der heiligen Familie waren hier auf Erden zeitweise getrennt und dennoch immer einander verbunden und einander nie vergessend - so wollen auch wir es halten. Immer bin ich Euch verbunden, nie will ich Euch vergessen, vor allem die Kolpingsfamilie - mit der ich noch vor Jahresfrist die Gedächtnisandacht (4.12. Todestag Adolf Kolpings) und die Adventsfeier gestalten durfte, ihr gilt darum mein besonderer Neujahrssegenswunsch speziell Jurecki, Schmidt, Kullessa usw., die Kapellknaben, mit denen ich das Weihnachtsspiel probte und selbst im Gefängnis aufführen konnte, die Jugend mit dem Krippenspiel, die Schulkinder, mit denen ich die Weihnachtslieder übte und all die Pfarrfamilienglieder, die wir zu Weihnachten besuchten - nicht zuletzt unsere lieben Hausgenossen, Schwestern und Confratres. Das Band der Liebe Gottes hält uns alle umschlungen mehr als alle Blutbanden. Drum lasst uns freuen und mit Zuversicht der kommenden Dinge harren. Dem lieben Vater Dank für die Gedanken über Ferrini. Der lieben Mutter, Martha, Maria, Johann, Gerhard herzlichen Gruß.

Euer Alojs.

Es ist uns nicht erlaubt Pakete und Päckchen zu empfangen. Schickt daher keine Pakete oder Päckchen, Sie werden ungeöffnet zurückgeschickt.

 

Brief aus dem KZ Dachau vom 07.03.1942

 

am Feste des heiligen Thomas, unseres großen Theologen.

Hochwürden, lieber Herr Propst, liebe Eltern und alle Ihr Lieben! Ein solches Fest zwingt mich vor allem an Euch alle zu denken, die Ihr mir Lehrer und Vorgesetzte waret und seid -Regens Hain und Sie, lieber Herr Propst ganz zuerst - sagt es bitte allen: wir opfern und beten - und so Gott es will, bringe es Euch reiche Segensfrucht. Es freut uns alle, dass Sie wieder arbeiten können. Dann werden Sie auch bitte für mich einige wichtige Bücher, die ich brauchen kann, kaufen. Der Alfons hat ja auch schon Bestellungen aufgegeben. Da der liebe Vater dem Benjamin ein Buch schicken wollte, so schlage ich folgende vor: Messbuch, Psalterium und deutsches Brevier von Pius Parsch - das von Parsch scheint mir für diese Verhältnisse das passendste und bequemste, wenn möglich auch die Nachfolge Christi. Andere Bücher halte ich nicht für praktisch. Daß außen auf dem Umschlag auch der Inhalt mit den einzelnen Titeln angegeben wird, ist natürlich unbedingt notwendig. Den lieben Vater muss ich weiterhin bitten, künftige Briefe deutlich und ohne Abkürzungen zu schreiben; der letzte Brief wurde von der Zensurstelle vernichtet - nur die Briefmarken und Totenzettel erreichten mich. Vielleicht kann Schwesterlein Martha mit der Schreibmaschine helfen - gut wäre es vielleicht auch ohne die Zitate und Schriftstellen, sagt Benno. Schreibt mir alltägliche Neuigkeiten. - Johann hat noch nicht geschrieben. Allen, auch denen im Felde - herzliche Grüße.

Dass ich nicht vergesse: Schickt keine Pakete und Päckchen, denn solche dürfen wir nicht empfangen. Sie werden ungeöffnet zurückgeschickt.

In Liebe grüßt Euch alle herzlich Alojs.

 

Brief Alois Andritzkis aus dem KZ Dachau vom 28.06.1942

 

Der Herr sei mit Euch, Ihr Lieben!
Dank für den lieben Brief aus Rosenthal und Dresden. Ja, wahrlich, zur eigenen Beschämung muss ich gestehen, dass ich den Stankt Benno-Tag und Woche zu wenig beachtet habe. Beim Lesen des Briefes erinnerte ich mich wiederum all der Feierlichkeiten, die wir neu zu gestalten versuchten zu Ehren unseres großen Diözesanpatrons. Man ist eben nicht zu Hause. Und heute am Vorabend Peter und Paul, was für Vorbereitungen. Es klingt mir im Ohr das gewaltige "Tu es Petrus", "Du bist der Fels", es rauscht und wogt in mir voll der Klänge des Orchesters, der Orgel, der Stimmen des Chores und der Kapellknaben. Ich möchte schon dabei gewesen sein bei all den Feiern, die Ihr erleben durftet. Aber der Herr will, dass wir noch mehr wachsen und uns Ihm, dem Herrn des Alls, mehr noch hingeben, auf alles verzichten lernen, ganz entblößt von Hab und Gut, Ihm nur leben. Es erfüllt mich immer wohl aber mit ganz großer Freude - es ist eben menschlich - wenn ich höre, dass auch Ihr alle noch unser eingedenk seid inmitten der vielen Arbeit und Feierlichkeiten. Das Herz wird mir nicht schwer, der Mut wird mir nicht sinken, weiß ich mich doch ganz in der Hand Gottes! Und solange ich immer noch einige Minuten Gelegenheit habe, die heilige Schrift aus dem Messbuch oder Brevier betend zu betrachten, fühle ich mich geborgen und bin glücklich. Wie stärken doch wiederum die Petrusworte am heutigen 5. Sonntag nach Pfingsten unsere Haltung als Christen, ja speziell als Priester des Allerhöchsten, da wir Eiferer für das Gute sein wollen und allzeit sein sollen. Heil Euch! und uns zusammen.

Gruß und Segen an den verwundeten Georg - an alle, Euer Mitbruder, Bruder, Neffe und Sohn Aloys.

 

Brief Alois Andritzkis aus dem KZ Dachau vom 14.06.1942

 

" Es sinnt sein Herz von Geschlecht zu Geschlecht, dem Tode ihre Seelen zu entreißen und sie in Hungersnot zu nähren."
Dieser Gedanke erfüllt uns mit großer Hoffnung. Mag es auch noch so schwere Zeiten geben, nie sind wir verlassen. Wir sollen uns jetzt läutern, besonders jetzt bemühen, unser Herz Seinem Herzen gleich zu bilden - auch wir sollen im Gedanken der Generationen denken und leben und opfern: das Samenkorn, das stirbt, bringt neues Leben. Mit dem Worte Pauli:  "täglich lasst uns der Welt absterben" wird ernst gemacht. Darum wissen wir auch, dass daraus neues Leben erblüht. So können wir mit innerer Ruhe die künftigen Tage erwarten. So ist uns das Herz Jesu, in dem die Glut der Liebe zu uns nie erlischt, wahrlich eine Stätte der Ruhe, aber auch uns Büssenden die rettende Zuflucht. Darum lasst uns nicht aufhören, dem dreieinigen Gott Dank zu sagen: Alleluja. Herzlichen Dank für den lieben Brief vom 1.6.  Es wird eine tiefinnere Familienfeier in Ostro gewesen sein. Dank für Euer Gedenken und Beten; auch ich bin in Gedanken recht oft bei Euch, vor allem wenn ich der Schulzeit gedenke... Dank für die Glückwünsche. Sendet bitte meine Glückwünsche dem Anton, dem lieben Bruder Johann an der Ostfront, dem Hochw.H. Paul Graf, Horeń, Firmpaten Graf, dem Paul in Marienstern und Ostro usw.; ich kann gar nicht alle aufzählen. Die Antwort auf den Brief: es ist ein großer Unterschied: der Bruder Johann, Vetter Michael, Schwager Max, Georg Hermann stehen an der Front, darum besitzen sie berechtigte Vorrechte! Das müsst Ihr doch einsehen. - Dank für die Dresdner Grüße - es grüßt Euch alle in Liebe Aloys.

 

Brief Alois Andritzkis aus dem KZ Dachau vom 17.05.1942

 

"Ich bitte nicht, dass du sie fortnehmest von der Welt, sondern dass Du sie bewahrest vor dem Bösen." Da sind Worte, die uns jetzt verständlicher klingen: die Zeit der Prüfungen ist kein Zufall: es ist der Wille des Vaters. Hier liegt unserer Lebensaufgabe, unser apostolisches Wirken, unsere Seelsorge. Darum erfüllt Ihr Lieben zu Hause Eure Pflicht, wie auch wir, sei es an der Front, sei es im Betrieb, sei es im Wachdienst oder Krankendienst, sei es draußen auf dem Felde, sei es drinnen im Werkraum. Das macht uns froh und stark und ausdauernd, auch wenn die Aufgabe ermüdend, ja langweilig werden sollte. Fünf Stunden hintereinander immer dieselbe Bewegung, dasselbe Material, dieselbe Umgebung und doch nicht gedankenlos, stumpfsinnig werden, das erfordert doch starken Willen und liebevolle Hingabe. Das Gebet ist oftmals nur ein Stammeln und scheint das Herz nicht zu befriedigen: und doch ist das Gebet im Auge des Vaters höher und wertvoller als manches schöne Psalmodieren und Prozessionieren. Die kleine Pause der Ruhe will der Körper haben. Da schaut man wenig auf Gedrucktes, um eben bei den nächsten sechs Stunden frisch und froh schaffen zu können.
"Nur vor dem Bösen, vor der Sünde, bewahre uns, o Herr, dann sind wir allzeit Deine frohen Kinder." - Dank für den Brief aus Rosenthal, für die Grüße aus Dresden, für den Osterbrief von Johann, ebenfalls besonderen Dank für den Feldpostbrief von Johann. So ist es recht. Johann, Michael, Georg, Ihr, die Ihr an der Front steht, seid besonders stets in meinem Gedenken. Ihr braucht auch keine Rücksicht auf die Nachrichten von zu Hause nehmen, sondern könnt direkt mir Nachricht geben. Der Heilige Geist erfülle alle Herzen, auf dass es ein gnadenreiches Pfingstfest werde.
- Es ist uns nicht erlaubt Päckchen und Pakete zu empfangen. Schickt daher keine Päckchen und Pakete, denn sie werden ungeöffnet zurück gesandt.

Mit frohem Pfingstgruß Euer Aloys.

 

Brief aus dem KZ Dachau vom 23.01.1943 an Propst Wilhelm Beyer in Dresden

 

Meine Lieben! Die herrliche Weihnachtszeit ist vorbei, aber nicht vorbei die erinnerungsreichen Tage ! Jetzt die Weltgebetsoktav für die Wiedervereinigung im Glauben - da werden Schwager Max und der Bruder Johann im Osten viel daran denken. Und dann der 21.01.! Was knüpfen sich da nicht doch für manche Hoffnungen. - Herzlichen Dank für den lieben Brief der Martha. Man ist wirklich erfreut über den frischen Ton, der in ihm lebt. So kann ich eben von hier nicht schreiben. Erfreut war ich natürlich über das Paket von Ihnen, Herr Propst, Vergelt's Gott! Liebe Eltern, Ihr habt mir auch schon wieder geschickt. Außerordentlich froh war ich über den Rosenkranz. Aber seid versichert, ich habe nun schon Guten genug - bin satt und schickt mir viel weniger - vor allem was Brot anbelangt, bis ich wieder anders schreiben sollte. Dann könnte ich einen Schal, Hemd, Unterhosen und alte Strickjacke noch gut gebrauchen. Für alles "Vergelt's Gott!".
In der Liebe unseres Herrn Euer Aloys.

 

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